Samstag, 2. April, 20h, CCW: DA KALI (Mali)

Da Kali (c) Youri Lenquette (3)Mit einem bemerkenswerten Zugang zur Musik Malis VOR der europäischen Kolonisation und der damals dafür typischen Trio-Besetzung, ließ das TRIO DA KALI letztes Jahr in Großbritannien erstmals aufhorchen. Angeführt wird das TRIO DA KALI von der Sängerin HAWA KASSE MADY, der Tochter der legendären Sängerin KASSE MADY DIABATE. Am Balafon zu hören ist LASSANA DIABATE, einer der größten Balafon-Virtuosen Afrikas. Die Bass-Ngoni spielt MAMADOU KOYATE, der Sohn von BASSEKOU KOYATE, und auch Bass-Spieler in Vaters Band N`Goni Ba.

 

Die Protagonisten des Trios stammen allesamt aus lange zurück reichenden Familien-Linien von Griots der Mande-Kultur. Die Griots bildeten ursprünglich eine Kaste, die es als ihre Aufgabe sah, in ihren Liedern die kollektive Erinnerung der Gesellschaft zu bewahren. Sie wurden von den Königshäusern, Adeligen und wohlhabenden Mitgliedern der Gesellschaft engagiert, und musizieren nach wie vor bei formellen Anlässen und Festlichkeiten. Sie waren sozusagen das Gedächtnis des Reichs der Malinke, welches sich vom heutigen Senegal über Timbuktu bis Gao in Mali erstreckte. Diese Tradition führt das TRIO DA KALI fort und versucht sehr alte überlieferte Geschichten zu erhalten, denn auch in Mali ist die Tradition in Gefahr, Mobiltelefone und Fernsehen verdrängt die mündliche Überlieferung und die Kinder eifern lieber Platik-Stars nach, als die orale Tradition ihrer Vorfahren fortzuführen. Die Debut-EP des Trios auf dem Kult-Label WORLD CIRCUIT (Buena Vista Social Club, Ali Farka Toure usw.) ist ein bemerkenswertes Ton-Dokument geworden. Sängerin HAWA KASSE MADY wurde von verschiedenen Musik-Journalisten bereits mit Mahalia Jackson verglichen und eine ähnliche Karriere sei dieser außergewöhnlichen Sängerin gewünscht, verdient sie ihren Lebensunterhalt zu Hause doch zum großen Teil mit Engagements auf traditionellen Hochzeiten oder bei Straßen-Parties (die größte Einnahme-Quelle für Malis Musiker!). Der augenscheinlichste Teil der Trio-Besetzung ist das Balafon, das von Meister-Musiker LASSANE DIABATE gespielt wird. Diabate war unter anderem Mitglied in den herausragenden Band-Projekten Afrocubism und Toumani Diabate`s Symmetric Orchestra. In vielen westafrikanischen Ensembles spielt das Balafon nur eine begleitende Rolle, hier beim TRIO DA KALI ist es mit seinem reichen, warmen und farbenfrohen Klangvolumen aber das Lead-Instrument. Das jüngste Ensemble-Mitglied ist MAMADOU KOYATE. Er spielt, wie in der Band seines berühmten Vaters Bassekou Koyate, die Bass-Ngoni, eine in ganz Westafrika verbreitete Langhals-Laute.

 

Das TRIO DA KALI wurde erst 2013 gegründet, um mit dem Kronos Quartet ein eigenes Projekt zu entwickeln, gastierte bereits bei den BBC Proms, beim London Jazz Festival oder im Theatre de la Ville in Paris. David Harrington vom Kronos Quartet meint über das TRIO DA KALI: „One of the most beautiful collaborations Kronos had in it’s 40 years.”

 

 

 


Freitag, 10. April, 20h, CCW: ETRAN FINATAWA

Etran Finatawa (4) HPETRAN FINATAWA (Niger)

 

Hypnotic Desert Blues!

 

Das Ensemble aus dem Sahara-Staat Niger gehört zur Speerspitze der „Wüstenblues”-Bands, gastiert auf den größten Festivals und hat vor allem auch mit seinem aktuellen Album „The Sahara Sessions” jede Menge internationaler Preise eingeheimst.

 

Beim Festival der Wüste im Jahr 2004, irgendwo in der Nähe von Timbuktu, gründete sich die Gruppe Etran Finatawa, die „Sterne der Tradition“. Es waren ursprünglich zwei Gruppen von Musikern, die da auf die Bühne kamen, um gemeinsam Musik zu machen. Zwei Kulturen, zwei Ethnien, nie zuvor hat es Wodaabe und Tuareg Musiker in einer Gruppe gegeben. Sie wagten das Experiment. Alle Musiker sind Nomaden, sie  teilen das Grasland der Sahelzone, aber nicht immer harmonisch. Doch ihre Kulturen sind den gleichen Gefahren ausgesetzt: Klimawandel, Dürren, Landflucht und schlussendlich Krieg und internationaler Terrorismus zerstören ihre Lebenswelten und Kulturen.

 

Die Musik von Etran Finatawa erzeugt eine Geräuschkulisse: Die Wiesen der Sahelzone und der trockenen Wüste perfekt in der Vereinigung ihrer beiden Kulturen. Nie zuvor sind die klaren, durchdringenden Gesänge der Wodaabe in einem zeitgenössischen Kontext gehört worden, mit den Blues Gitarren und hypnotischen Riffs der Tuaregmusik. Ihre traditionellen Gewänder beeindrucken auf der Bühne und zeigen: Hier geht es um  ein Bündnis der Kulturen!

 

Mit dem neuen Album „Sahara Sessions” hat Etran Finatawa wahrlich Staub aufgewirbelt und allerbeste Kritiken eingefahren. Das Album wurde ganz ohne Overdubs in einem Nomadenzelt mitten in der Wüste aufgenommen, wobei vorbeiziehende Nomaden immer wieder spontan in die Aufnahmen eingebunden wurden. Unter dem großen Baldachin des Sternenzeltes, spielten sie ihre Gitarren und sangen direkt aus dem Herzen. Jedes ergreifende Lied und jeder Schlag der Trommel Ausdruck des Schmerzes über den Verlust ihres Lebensraumes.

 

Auf den einschlägigen Festivals wie WOMAD oder Grassroots zählen die Protagonisten der Tuareg- und Woodabe-Völker zu den exotischsten Vertretern ihrer Zunft. In Peter Gabriels „Real World” sind sie gern gesehene Stammgäste. Die klaren, durchdringenden Gesänge der Wodaabe in einem zeitgenössischen Kontext gemeinsam mit den Blues-Gitarren und hypnotischen Riffs der Tuaregmusik zu vernehmen – das ist das Einzigartige an Etran Finatawa.Zehn  Jahre nach der ersten improvisierten Performance haben sie auf allen Kontinenten gespielt und wurden zu einer der  berühmtesten Bands in Niger. Sie sind Kulturbotschafter im Ausland und Kulturaktivisten zu Hause. Alle Musiker setzen sich engagiert für Kulturerhalt ein und geben immer wieder Workshops und Konzerte in Schulen und Jugendzentren im ganzen Land. Ihre kulturelle Fusion dient als Beispiel für das friedliche Zusammenleben der Kulturen. Sie setzen Zeichen in Zeiten von Spannung und Ethnizität.

 

Alhousseini Mohammed Anivolla – E-Gitarre

Goumar Abdoul Jamil – Akustische Gitarre

Bammo Agonla – Gesang

Bagui Bouga, Mamane Tankari – Wasserkalebasse